Wann ist Schluss mit dem Windeln? Werden Stoffwindelkinder wirklich schneller sauber als WWW-Kinder?

Unsere Kleine ist jetzt fast drei Jahre alt. Zeit für einen kleinen Bericht über unsere letzten Erfahrungen. Unser kleiner Wonneproppen ist nun seit Anfang des Sommers – also mit knapp 2 1/2 Jahren – windelfrei und trägt völlig normale Unterwäsche 🙂

Wenn man sich also nur an der schnöden Altersangabe orientiert, sind Stoffwindelkinder nicht unbedingt eher sauber als WWW-Kinder. Aber sieht man genauer hin, entdeckt man Unterschiede in der Art und Weise, wie diese Sauberwerdung geschieht. Hier sehe ich die Stoffwindelkinder klar im Vorteil.

Dafür ist es auch wichtig in „sich bewusst lösen“ und „das Geschäft bewusst halten“ zu unterscheiden. Ersteres können die kleinen bereits recht früh, letzteres erst mit etwa 2 bis 3 Jahren wirklich sicher ohne große Unfälle. Der Hauptknackpunkt liegt meiner Ansicht nach darin, dass sich die Kleinen „bewusst lösen“ können. Dies wird – so meine Erfahrung – durch Stoffwindeln deutlich positiver beeinflusst als von WWW. Die Stoffwindel-Kinder lernen i. d. R. aus diversen Gründen eher sich bewusst zu lösen, was wiederum positive Auswirkungen auf den Prozess des Sauberwerdens hat. Ich beschreibe das mal anhand unserer Erfahrungen. (Meine ersten beiden Kinder wickelte ich vor 15 Jahren mit WWW, unser Letztes nun mit Stoff.) Natürlich gibt es auch WWW-Eltern, die es gut hinbekommen, dass die Sauberkeitserziehung entspannt, erfolgreich und schnell abläuft. 🙂

Einstellung der Eltern

Das Wichtigste bei der ganzen Geschichte ist meines Erachtens die völlig andere Situation für die Eltern. Stoffwindeln machen – z. B. was die Wäsche anbelangt – erst einmal mehr Arbeit. (Das sich das auf lange Sicht gesehen wieder ausgleicht, ist eine andere Sache, die man jedoch nicht sofort spürt.) Ergo: man ist als Stoffwindel-Elternteil irgendwie bemüht dreckige Wäsche zu sparen wo man kann. Das frühzeitige Abhalten über der Toilette für das kleine und – wichtiger noch – für das große Geschäft wird daher als Erleichterung empfunden  und  deshalb auch regelmäßiger umgesetzt als von WWW-Eltern. – Jedes Geschäft ins Klo ist eine Windel, die man weniger waschen muss und nicht ausschließlich ein Zeichen dafür, dass das Kind tut was es laut Entwicklungstabelle tun soll 😉  Wir haben das daher seit sie 4 Wochen alt ist gemacht (siehe hier für Abhaltepositionen). Dasselbe gilt für die Töpfchenerziehung. Für WWW-Eltern (zumindest aus meiner Erfahrung), fühlt sich die Sauberkeitserziehung erstmal eher wie ein zusätzlicher Aufwand an: Das mit den Windeln, die man einfach wegschmeißt, war zunächst viel einfacher. Man musste nicht wissen, wann das Kind macht, da der Po ja sowieso nicht nass wird. Lediglich die Schwere der Windel oder den Gerucht bestimmen, das wars. Den zusätzlichen Aufwand des Abhaltens, Töpfchen sauber machen und ständigen Waschens der Kleidung bei ‚Unfällen‘, verschiebt man daher gern auch mal auf einen etwas späteren Zeitpunkt. (Was sagt nochmal die Entwicklungstabelle? ;)) Das führt zur Gewöhnung beim Kind, in die Windel statt das Töpfchen zu machen, und man verpasst vielleicht den richtigen Moment, so dass alles am Ende deutlich länger dauert und sich irgendwie komplizierter anfühlt.

Außerdem ist ja bereits der Prozess des Windelanlegens bei Stoffwindeln ein völlig anderer, so dass man als Elternteil sehr schnell ein gutes Gefühl für die Bedürfnisse des Kindes bekommt. Man kann besser abschätzen, wann z. B. das große Geschäft ansteht und rechtzeitig reagieren.

Effekte beim Kind:

Auch für das Kind ist es eine andere Situation. So spüren die Kinder den feuchten/nassen Po und können daher deutlich schneller (da sie ja diese Erfahrung 6-10 mal täglich machen) Ursache und Wirkung verstehen. „Wenn mein Bauch da und da zwickt und dann mache ich irgendwie locker, dann wird es nass, aber mein Bauch zwickt nicht mehr“ (oder so ;)) Weil das Nasse – v.a. wenn es sich um das große Nasse handelt – eher unangenehm ist, ist es viiiel angenehmer Mamas und Papas Angebot beim Abhalten anzunehmen oder vorher Bescheid zu geben, wenn die Windel noch drum ist.

Po und Haut gewöhnen sich sehr schnell an Urin und die anfangs leicht harte Baumwolle (die nach kurzer Zeit durch die Körperwärme weich wird). Wir hatten tatsächlich nie ein Windeldermatitis. Allerdings gabs bei uns (wie zu Omas Zeiten) jeden Abend ein kleines Sitzbad mit 5 Zentimer tiefem Wasser in einer kleinen Schüssel und etwas milder Seife. Ist auch als Ritual prima gewesen. 🙂

Effekte für die Erziehung zur Sauberkeit:

Wahrscheinlich aus dem Zusammenspiel der oben beschriebenen Gründe, hatten wir bereits recht frühe Erfolge bei der Sauberkeitserziehung. So verstand unsere Kleine mit ca. 4/5 Monaten, was man über der Toilette macht – nämlich sich lösen. Das erleichterte die Nutzung des Töpfchens (ab dem 6. Monat). Uns wurden stundenlange Sitzungen, bis zufällig mal was reingeht und das Kind versteht, was man da so machen soll, erspart.

Seit dem 8. Monat ca. machte sie ihr großes Geschäft nur noch in die Toilette. Wir hatten ab da kaum noch große ‚Unfälle‘. Pippi-Machen ist für unsere Kleine eher mit positiven und Erfolgsgefühlen verbunden. Sicher auch, weil sich ein recht entspannter und eingespielter Rhythmus zwischen uns entwickelte. (Windelfrei-Eltern kennen das sicher auch :))

Auch, wenn die Kinder erst mit 2 bis 3 Jahren ihren Schließmuskel wirklich bewusst steuern können – und so eine frühere komplette Sauberkeit biologisch gar nicht möglich ist – so gibt es doch Unterschiede zu WWW-Kindern:

  • Der Prozesse des „Sich Lösens“ wurde bei uns durch die Stoffwindelnutzung früher gefördert, was am Ende wahrscheinlich auch Auswirkungen auf das „bewusste Zurückhalten“ – die eigentliche Sauberkeit – hatte
  • Unsere Kleine spürte relativ rasch wenn sie Pippi gemacht hatte und lernte das recht schnell mitzuteilen – eine völlig andere Beziehung zum eigenen Körper und dessen Funktionen
  • Es war deutlich leichter ihr die Idee des ‚Aufs-Töpfchen-Gehens“ zu vermitteln
  • Das ganz Prozedere fühlte sich insgesamt irgendwie leichter an und das übertrug sich wohl auch auf unsere Kleine
  • Dadurch, dass das große Geschäft bereits seit der ersten Lebensjahrhälfte routiniert außerhalb der Windel stattfand, ging der Rest quasi von allein.
  • Unterwegs bzw. im Urlaub sein wird durch Sauberkeitserziehung erleichtert, da man nicht mehr ‚Säcke‘ mit trockenen bzw. benutzten Windeln mit sich herumtragen muss. Nur noch ein bis zwei Garnituren Wechselkleidung 😉 – Bei WWW-Kindern ist es genau anders herum. Da war das Reisen vorher leicht. Man musste wenig beachten, v. a. war es egal ob das Kleine muss oder nicht. In regelmäßigen Abständen musste man einfach die volle Windel irgendwohin entsorgen. Notfalls kann man ja auch billige WWW irgendwo nachkaufen.  Mit der Sauberkeitserziehung verkompliziert sich der Alltag dieser Eltern erst mal.

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